Hearring Meeting und Hearing and Structure Preservation Workshop

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Hearring Meeting und Hearing and Structure Preservation Workshop

Hearring Meeting und Hearing and Structure Preservation Workshop

Hearring ist ein Netz internationaler Zentren, die die größte Erfahrung in der Implantation haben und die höchste Anzahl von Implantatträgern betreuen. Die Gründung der Gruppe wurde durch das Institut für Physiologie und Pathologie des Gehörs zusammen mit vier Zentren – aus Wien, Innsbruck, Würzburg und Frankfurt initiiert. Die Mitgliedschaft im Hearring Netz stütz sich auf die Überzeugung, dass eine effektive Durchführung von Studien im Bereich von Hörimplantaten nur im Rahmen der internationalen Kooperation und des Erfahrungsaustausch zwischen führenden klinischen Zentren weltweit möglich ist.

Das erste Hearring Treffen fand 2009 in Kajetany statt. Der Hearing and Structure Preservation Workshop (HSP) bildet eine Reihe wissenschaftlicher Konferenzen, die dem Thema des partiellen Hörverlustes gewidmet sind. Die erste wurde 2002 in Indianapolis abgehalten. Während der Konferenz wurden die ausgezeichneten Ergebnisse nach der weltweit ersten Operation der Implantation eines Cochlea-Implantates bei einer Patientin mit partiellem Hörverlust präsentiert, die von Prof. Henryk Skarżyński durchgeführt wurde.

2017 war Prof. Gunesh Rajan von der University of Western Australia der Gastgeber des Treffens der Hearring Gruppe und der HSP Konferenz.

Ein wichtiges Ereignis während des Treffens bildete das Hinzufügen von zwei neuen Netzmitgliedern: Universität Frankfurt und Universität Bochum. Die Universität Frankfurt setzt eins der größten Implantatprogramme in Deutschland um und die Universität Bochum entwickelt ein mit EU-Mitteln finanziertes Programm der Telerehabilitation. Jedes der neuen Hearring Mitglieder betreut ca. 1500 Implantatträger. Das Institut für Physiologie und Pathologie des Gehörs betreut vergleichsweise über 6 Tsd. Patienten mit Implantaten.

Während des Treffens in Australien wurde der 2017 erlassenen WHO-Resolution (7013) zur Prävention von Hörminderungen viel Platz gewidmet, die weltweit Kosten von 750 Billionen Dollar jährlich generieren. Die Verabschiedung der Resolution bedeutet, dass die Weltgesundheitsorganisation Hörstörungen für ein globales Problem erachtet und Länder zur Berücksichtigung aktiver Maßnahme zur Früherkennung und wirksamen Behandlung von Hörstörungen in der Gesundheitspolitik anspornt. Die Resolution definiert die wichtigsten Bereiche von Maßnahmen, die dieses Problem lösen lassen sollen. Zu den wichtigsten wird das Aufbauen des Bewusstseins gezählt, wie sehr die Hörstörungen die Entwicklung der modernen Gesellschaften gefährden. Die Resolution weist auch auf die Notwendigkeit der Ausbildung von Audiologen und HNO-Fachärzten weltweit und Umsetzung billiger und effektiver Programme von Untersuchungen zur Früherkennung von Hörstörungen hin.

Die Verabschiedung der WHO-Resolution, zu deren Erarbeitung Hearring Zentren relevant beigetragen haben, besagt einen großen Fortschritt in der Prävention von Hörminderungen. Die vorherigen Anweisungen zum Gehörschutz stammten aus dem Jahr 1995 und waren längst nicht mehr aktuell. Denn seit 1995 vollzog sich ein gigantischer Fortschritt in der Behandlung von Hörschäden und in den Programmen der Cochlea-Implantate. Die im laufenden Jahr verabschiedete WHO-Resolution verweist auf Cochlea-Implantate als die effektivste Therapiemethode beim Hörverlust.

Während des Treffens der Hearring Gruppe wurde Standards bei der Behandlung von Schwerhörigkeiten viel Platz gewidmet, die systematisch von Experten aus in der Organisation vereinigten Zentren erarbeitet werden. Die bisher vorbereiteten internationalen Standards betreffen die Implantation von Cochlea-Implantaten bei gehörlosen Erwachsenen und Kindern sowie bei erwachsenen Patienten mit partiellem Hörverlust. In der letzten Zeit wurden Richtlinien zur Implantation bei Kindern mit partiellem Hörverlust veröffentlicht. Aktuell werden nun Standards zur Anwendung von Implantaten beim einseitigen Hörverlust erarbeitet, auch unter Beteiligung von Spezialisten vom Institut für Physiologie und Pathologie des Gehörs.

Die Erarbeitung von Standards bildet einen Bereich, auf den immer mehr Wert gelegt wird. Die internationalen Richtlinien, die durch die weltweit besten medizinischen Zentren veröffentlicht werden, dienen vor allem neuen Zentren, die ihre Erfahrung in der Behandlung von Hörschäden erst sammeln.

Das Institut übt die Rolle des Leaders der Arbeitsgruppe im Rahmen von Hearring aus, die für die Anpassung von Kriterien der Bestimmung der Behinderung bei schwerhörigen und gehörlosen Personen an die durch die WHO erlassene Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (International Classification of Functioning, Disability and Health; ICF) bestellt wurde. Gemäß ICF wird die Behinderung nicht nur anhand des Gesundheitsschadens bestimmt sondern auch auf Barrieren bezogen, auf die die jeweilige Person im Zusammenhang mit ihrem Gesundheitsschaden in ihrer Umgebung stößt. Das Konzept unterscheidet sich radikal von dem geltenden, nach dem die Behinderung ausschließlich entsprechend dem Gesundheitszustand festgelegt wird. Den Zweck der Hörbehandlung und -rehabilitation bildet aktuell die Minimierung der mit den Hörstörungen verbundenen Behinderung. Dank dem technologischen und medizinischen Fortschritt kann eine gehörlose Person genauso gut wie eine normal hörende funktionieren. Gemäß der neuen Klassifikation ist eine Person, die dank dem Implantat hört, keine behinderte Person mehr, obgleich sie weiterhin taub ist.

Das Schlüsselthema der HSP Konferenz bildete die Erhaltung von präoperativen Hörresten nach der Implantation. Während eines Podiumsgespräches präsentierte Univ.-Prof. Piotr Skarżyński Ergebnisse, die auf eine sehr gute Erhaltung von präoperativen Hörresten bei Patienten mit partiellem Hörverlust auch über zehn Jahre nach der Implantation hinweisen. Das Institut für Physiologie und Pathologie des Gehörs ist das weltweit einzige Zentrum, das solche Ergebnisse für eine derart große Patientengruppe dokumentiert hat. Viele Weltzentren beziehen ihre Angaben auf die, die im Weltzentrum für Gehör bei Patienten erzielt werden konnten, die nach der von Prof. Henryk Skarżyński entwickelten chirurgischen Methode operiert wurden. Die sog. polnische Schule der Ohrchirurgie – worauf ausdrücklich während des diesjährigen Treffens hingewiesen wurde – ist in der Medizin anerkannt und global identifizierbar. Die von Prof. Henryk Skarżyński entwickelte chirurgische Technik lernte u.a. der Gastgeber des Treffens, Prof. Gunesh Rajan. Er lernte am meisten – wie er selbst betonte – eben im Rahmen der Schulung in Kajetany, an der er vor vielen Jahren als Spezialist teilnahm, der sich erst dem Implantatprogramm anschloss. Prof. Rajan bedankte sich damit bei Prof. Skarżyński für die Freundlichkeit, mit der er im Institut für Physiologie und Pathologie des Gehörs empfangen wurde, und für die erhaltene Unterstützung.

Im klinischen Teil des Treffens präsentierte Univ.-Prof. Piotr Skarżyński das neue Knochenleitungssystem, das sog. ADHEAR-System. Viel Platz wurde u.a. der Anwendung von Hirnstamm-Implantaten gewidmet. Darüber hinaus wurde betont, dass bei der Beurteilung des Therapieerfolgs nicht nur die Hörbesserung bzw. Besserung des Sprachverstehens, sondern auch – insbesondere bei älteren Personen – die Beurteilung der kognitiven Funktionen, deren Beeinträchtigung mit der Schwerhörigkeit verbunden sein kann, und Ergebnisse der Tests zur Lebensqualität berücksichtigt werden sollen.

Eins der interessantesten Themen war die sog. latente Schwerhörigkeit. Der Hörstörung schenken Spezialisten in der letzten Zeit viel Aufmerksamkeit. Denn es hat sich herausgestellt, dass der Hörschaden durch Lärm das Tonaudiogramm nicht beeinflussen muss. In manchen Fällen bleibt der Befund unauffällig, obwohl der Patient Probleme mit dem Sprachverstehen hat. Bisher wurde die Erscheinung hauptsächlich mit Störungen der zentralen Verarbeitung in Verbindung gesetzt. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass das Problem auch durch Schädigung von Neuronengruppen verursacht werden kann, die auf die Weiterleitung von Informationen über lautere Töne ins Gehirn spezialisiert sind. Wenn es durch Lärm zur Schädigung dieser Leitungskanäle kommt, bleibt die Hörsensibilität unverändert. Wenn das Signal jedoch wie beim Sprechen auf Hörkomfortniveau intensiver wird, so bekommt das Gehirn deutlich weniger Informationen, was das Hören erschwert. Deshalb haben manche Patienten mit einem unauffälligen Tonaudiogrammbefund Hörprobleme.

Die University of Western Australia war der ideale Ort für das Treffen, auf dem nicht nur Berichte über Behandlung von Hörschäden und Methoden der Prävention von Hörminderungen auf der Welt besprochen wurden, sondern auch auf die Notwendigkeit des Aufbauens des Bewusstseins hingewiesen wurde, wie sehr Hörstörungen die Entwicklung der modernen Gesellschaften gefährden. Ähnliche Vorhaben fügen sich ausgezeichnet in die Geschichte des Zentrums ein. Die University of Western Australia entstand 1911 aus der Initiative der Einwohner von Westaustraliens, die Anfang des 20. Jahrhunderts praktisch keinen Zugang zur ärztlichen Pflege hatten. Die Gründung des Zentrums sollte zur Lösung gesundheitlicher Probleme der lokalen Bevölkerung beitragen.